Du hast schon vor Wochen Tackle bestellt und wartest immer noch auf deine Lieferung? Wir nehmen es vorweg: du bist nicht der Einzige. In dem gesamten Tacklemarkt kommt es aktuell zu deutlich längeren Lieferzeiten. Das ist natürlich sehr ärgerlich – gerade wenn man vielleicht noch auf das langersehnte Weihnachtsgeschenk wartet. Doch woran liegt es eigentlich, dass Tackle aktuell so lange auf sich warten lässt? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und haben mit Tackledealern und Händlern gesprochen, die ihr Insiderwissen mit uns geteilt haben. Zu Wort kommen Marc Voosen von Nash Tackle, Christian Haack von AngelHAACK und Nick Werner von der Angelzentrale Herrieden.

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Darum sind die Lieferzeiten so lang

Fast allen Branchen mangelt es derzeit an Waren, Online-Bestellungen lassen oft monatelang auf sich warten. Doch woran liegt das überhaupt? Fangen wir vorne an. Die meisten Produkte aus dem Tacklemarkt kommen aus Asien bzw. China. Es gibt nur sehr wenige Artikel, die in Deutschland bzw. Europa gefertigt werden. Führt man sich nun vor Augen, dass China das erste Land gewesen ist, das von der Corona-Pandemie betroffen war und dadurch viele Fabriken geschlossen waren und über Monate nicht produzieren konnten, kann man sich schnell vorstellen, dass es anschließend zu längeren Lieferzeiten gekommen ist.

Wir haben bei einigen der wichtigsten Lieferanten Lieferzeiten von mehr als 12 Monaten. Das muss man sich mal vorstellen.

Marc Voosen, Nash Tackle

Das hat natürlich nicht nur den Angelsport und den Tacklemarkt betroffen, sondern alle Branchen, die vom chinesischen Markt abhängig sind. Lieferzeiten haben sich vervielfacht, da Produzenten nicht im gewohnten Rhythmus produzieren konnten, die Produkte anschließend nicht verladen/versendet werden konnten usw. Pandemiebedingt kam es zu Problemen bzw. Umstellungen in jedem einzelnen Schritt. Zahlreiche Produkte waren davon betroffen – seien es Zelte, Ruten oder Bedchairs. Schon jetzt haben wir von Händlern gehört, dass die Lieferzeiten für Waren dieser Art sich in den Juli und August 2022 ziehen werden.

Ein weiteres Problem in dieser Lieferkette ist, dass sich die Containerschiffe in den Häfen stauen. Dies führt erneut dazu, dass bestimmte Produkte, Rohstoffe und Zwischenprodukte nicht schnell genug geliefert werden können. Grund für diese Probleme in den Häfen sind zum einen die Lockdowns in China mit den dazugehörigen Schließungen der dortigen Häfen und zum anderen die Sperrung des Suez-Kanals im März, die zu monatelangen Komplikationen auf allen Kontinenten führte.

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Können die Lieferketten stabilisiert werden?

Es gibt kaum Möglichkeiten, aktiv den aktuellen Bedingungen entgegenzuwirken. Die Tackledealer sind von den Entscheidungen der Produzenten in China abhängig. Lieferzeiten von mehreren Monaten sind inzwischen die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Davon sind natürlich auch die (Online-)Händler in Deutschland und Europa betroffen, die im Worst Case mit leeren Regalen dastehen. Daher wird eine sehr langfristige Planung für die Händler sehr wichtig. Bei der Angelzentrale Herrieden werden Produkte beispielsweise nun sehr frühzeitig bestellt. Produkte für Mitte 2022 müssen bereits jetzt geordert werden, um den Lagerbestand auch im Sommer füllen zu können.

Es geht nicht mehr ohne eine sehr langfristige Planung. Wir bestellen jetzt bereits unsere Produkte für den Sommer 2022.

Nick Werner, Angelzentrale Herrieden

Auch beim Online-Händler AngelHAACK heißt es nun, dass größere Stückzahlen geordert werden müssen, um einen ausreichenden Lagerbestand gewährleisten zu können – dies ist natürlich nur bei Produkten möglich, die überhaupt auch in größeren Mengen lieferbar sind. Die Herausforderung ist nun jedoch folgende: AngelHAACK hat ein Sortiment von 20.000 Produkten. Eine langfristige Planung des Lieferbestands ist in dieser Größenordnung kaum möglich, da nur schwierig vorausgesagt werden kann, welche Produkte in welcher Stückzahl verfügbar sein müssen.

Wir haben ein Sortiment von 20.000 Produkten. Eine langfristige Planung des Lieferbestands ist in dieser Größenordnung kaum möglich.

Christian Haack, AngelHAACK

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Warum nicht in Europa produzieren?

Jetzt stellt sich vielleicht die Frage, warum die Hersteller die Waren nicht in Europa produzieren lassen. Es ist doch naheliegend, dass die Wege in Europa deutlich kürzer wären und die oben beschriebenen Frachtprobleme grundsätzlich ausgeschlossen werden könnten. Zudem könnte doch auf die steigende Nachfrage eines Produktes viel schneller reagiert werden. Es liegt zum einen daran, dass die nötige Infrastruktur in Europa nicht gegeben ist – es gibt hier einfach keine Fabriken, die die Waren für den Tacklemarkt produzieren könnten.

Zum anderen liegt es daran – und das ist wahrscheinlich der vielmehr ausschlaggebende Faktor – dass der Endverbraucher bereit sein müsste, mehr Geld für Produkte in die Hand zu nehmen. Die Preise würden sich laut Marc Voosen vervielfachen. Produkte würden seiner Einschätzung nach mindestens dreimal so teuer sein, wie aus chinesischer Herstellung. Hier kann sich jeder direkt selbst hinterfragen. Wärst du bereit, so viel für ein Hobby zu zahlen?

Möchten die Leute 18 Euro für ein Päckchen Haken bezahlen oder 1500 Euro für eine Liege? Ich habe da meine Zweifel.

Marc Voosen, Nash Tackle

An dieser Stelle soll nicht ungesagt bleiben, dass wir von den Händlern auch gehört haben, dass die Produktqualität auch in dem chinesischen Markt sehr gut ist. Wir werden uns höchstwahrscheinlich auch zukünftig mit höheren Preisen für den Endverbraucher abfinden müssen. Die Produktionspreise sind coronabedingt auch in China gestiegen und werden sich dort wohl auch einpendeln.

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In der Corona-Pandemie: Der Angelsport boomt

Viele Freizeitaktivitäten sind bedingt durch den Ausbruch der Corona-Pandemie nur schwer möglich (gewesen). Das hat in den vergangenen Monaten für völlig neue Trends gesorgt. Der Angelsport ist als Frischlufthobby seitdem immer beliebter geworden – und das natürlich nicht nur in Deutschland. Das liegt bei näherer Betrachtung auch auf der Hand. Beim Angeln ist man draußen und hat nur mit sehr wenigen Menschen zu tun (wenn überhaupt). Das Angeln scheint eine gute „Corona-Freizeitbeschäftigung“ zu sein.

Damit einher geht natürlich, dass die Nachfrage beim Angelbedarf in den vergangenen Monaten ebenfalls stark gestiegen ist. Es gibt viele neue Angler – ob es in Europa, den USA oder Australien ist – die sich mit Tackle ausrüsten müssten. Dadurch wird die oben bereits beschriebene Problematik nochmals verstärkt.

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Wann wird sich die Lage wieder normalisieren?

Wann sich die Lage wieder normalisieren wird, ist nicht wirklich zu sagen. Seitens der Tackledealer und Händler wird vermutet, dass wir noch weit bis in das nächste Jahr mit Lieferengpässen zu kämpfen haben werden. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass es Mitte 2022 zu einer Entspannung auf dem Tacklemarkt kommen wird. Dabei handelt es sich jedoch um eine fragile Angelegenheit. Wird es nochmal zu einem erneuten Lockdown, bspw. in China kommen? Dann könnten sich auch diese Prognosen nochmal verändern.