Ein Artikel von Chris Ackermann

Beim Karpfenangeln setzt Chris Ackermann auf das Tauchen, um seine Rigs präzise zu platzieren. Mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen bewaffnet, geht es für ihn in Richtung Gewässergrund. Die Rigs werden abgetaucht, Bleisystem und Schnüre werden versteckt, um so an die schlauen und misstrauischen Fische heranzukommen. In diesem Interview gibt Chris einen Einblick in diese spannende Angelei und nimmt uns mit in die Unterwasserwelt unserer Zielfische.

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Wie bist du dazu gekommen, deine Rigs präzise abzutauchen?

Das Element Wasser war schon immer ein Thema in meinem Leben. Als geborener Wassermann eigentlich eine klare Sache, nicht? Als die Passion Angeln immer mehr Thema wurde, ich mich mehr und mehr auf Karpfen spezialisierte, lernte ich irgendwann Anfang der 90er „den dicken Marco“ kennen. Auch ihn hatte das Karpfenfieber damals gepackt und wenn einer Sitzfleisch hatte, dann Marco. Er war ein Jahr jünger als ich und verbrachte im Gegensatz zu mir seine kompletten Ferien am Wasser. Er fing die ganzen alten Hasen in Grund und Boden und das gewiss nicht nur wegen der immensen Zeit, die er da am Wasser verbrachte. Marco brachte seine Rigs per Hand aus. Unter Wasser, punktgenau. Ich war fasziniert von dieser Herangehensweise und tatsächlich fiel es auch mir wie Schuppen von den Augen, als ich den tatsächlichen Unterschied einer Rig-Präsentation im Reich unserer Zielfische mit eigenen Augen sah. Es lag auf der Hand, dass es eigentlich nur Vorteile mit sich bringen würde, all die Komponenten, die ich mit dem bloßen Auge erkennen konnte, verschwinden zu lassen und auch so dem Karpfen die Sicht der Dinge zu verwehren. Fortan war diese Passion ein fester Bestandteil meiner Angelei – wenn auch nicht in jeder Angelsituation.

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Worauf legst du besonderen Wert, wenn du deine Falle unter Wasser platzierst?

Zunächst ist es mir wichtig, an der von mir bevorzugten Stelle so wenig Trubel wie nötig zu machen. Im Idealfall hole ich einmal tief Luft, tauche zu meinem Spot, platziere mein Rig und begebe mich im gleichen Atemzug wieder zurück gen Angelplatz. Natürlich ist dies nicht an allen Plätzen möglich – aber ich denke ihr versteht, was ich damit sagen wollte: wer hergeht und beim Abtauchen seiner Montage heftigen Lärm macht, ist eher kontraproduktiv unterwegs.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist, dass unter Wasser außer meinem Hakenköder nichts mehr zu sehen sein sollte. Kein Blei, keine Schnur – und das am besten die ersten paar Meter in Rignähe.

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Welche Tipps gibst du einem Schnorchel-/Tauchanfänger mit auf den Weg?

Ich merke es zu Beginn einer jeden Saison und definitiv auch am Fitnessgrad, den ich in manchen Phasen eben nicht wirklich habe. Bin ich aus dem Training, muss erst einmal wieder ein bisschen geübt werden. Während ich gegen Ende einer jeden Saison recht lange unter Wasser bleiben kann, fehlt es mir im Frühjahr oft an Luft. Demnach ist es gerade den Jungs und Mädels, die sich dieser Passion hingeben wollen, durchaus zu empfehlen, alles ganz langsam, bedacht und am besten in Begleitung einer weiteren Person anzugehen. Ist man ein paar Mal abgetaucht, macht man sich mit dem Element Wasser vertraut, dauert es auch nicht lange, bis sich die ersten „Erfolge“ einstellen. Mit der Zeit bekommt man immer mehr Gespür für diese Leidenschaft und verliert auch nach und nach das gewisse Unbehagen, das viele Menschen beim Abtauchen in die Unterwasserwelt haben.    

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Wie reagieren die Karpfen, wenn du zu ihnen abtauchst?

Das Verhalten der Karpfen ist definitiv von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich. Während in dem einen See die vor Neugier getriebenen Fische immer wieder vorbeikommen, dich umkreisen und begutachten, schwimmen sie im anderen Tümpel nebenan fast schon panikartig davon. Ich bin mir sicher, dass das sehr viel mit den Begebenheiten am Wasser zu tun hat. Ich habe darüber bereits in meinem Buch „Mein Weg“ geschrieben. Fische lernen. Begegnen sie auf ihren Futterstellen regelmäßig dem kleinen, glatzköpfigen Chrissi und haben kurze Zeit später einen Haken in der Unterlippe, können die das durchaus in Verbindung bringen – davon bin ich überzeugt. Am Mary und Joe Pool damals war es genauso, anfangs konnte ich mich den Fischen problemlos nähern, Joe sogar einmal unter Wasser umklammern. Gegen Ende meiner intensiven Angelei an diesem See flüchteten sie beim Anblick eines „Schnorchlers“ direkt und ich konnte kaum noch ausmachen, welcher Fisch da von mir weg raste.

An ausgeschriebenen Badeseen mit viel Publikumsverkehr reagieren die Fische oft gefasster und haben in der Regel weniger Scheu – aber auch hier ist ganz klar spürbar, dass sich, je nachdem wie oft man auf seiner Futterstelle umhertaucht, das Verhalten der Fische ändert.

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Welche Geräusche machen Karpfen unter Wasser, was hörst du?

Es gibt zwei Geräusche, die man ganz klar und deutlich wahrnehmen kann. Das eine ist das Geräusch eines flüchtenden, erschrockenen Fisches. Wer den zweiten Teil meiner Videoreihe auf twelve ft. PRO „Taucherfahrungen“ gesehen hat, kann zum Beispiel das Fluchtgeräusch des großen Wallers hören. Ein, zwei dumpfe Schläge und der Fisch ist von der Bildfläche verschwunden. So ähnlich ist das auch bei Karpfen.

Das zweite Geräusch ist das „Knacken“ zermahlener Schnecken, Muscheln und Co., die die Karpfen schon Meter entfernt verraten können. Es ist schon erstaunlich, wie gut man fressende Fische, vorausgesetzt der Untergrund (Kies, Sand) und das Futter passt (Dreikantmuscheln und Co.), schon viele Meter entfernt orten kann.

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Was sind deine Erkenntnisse, die du durch deine Schnorchel-Beobachtungen mitgenommen hast hinsichtlich Fischverhalten?

Hinsichtlich Fischverhalten habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich mehr wahrgenommen, als ich das auch beim aktiven Angeln auf Sicht gemacht habe. Manche Fische sind eben neugieriger, haben weniger Angst vor dem Mann (oder Frau) unter Wasser, manche Fische fressen wild, andere dagegen (Joe war so ein Fisch) extrem gediegen und kleben förmlich auf dem Boden.

Was mir bei manchen Fischen aber definitiv aufgefallen ist, war die Tatsache, dass sie sich von dem restlichen „Schwarm“ des Öfteren distanziert hatten. Wieder kann ich da auf Joe zurückgreifen. Er war sehr oft alleine unterwegs. Er war in der Hierarchie ganz oben angesiedelt würde ich jetzt einmal behaupten und hat gerade auf Futterstellen nicht wirklich Mitesser akzeptiert. Ich kann da auch noch eine Handvoll weitere Beispiele nennen. Es handelte sich sehr oft um wirklich große Karpfen, aber auch ein, zwei kleinere Fische, die sich öfter von der Masse absonderten.

Was ich auch erstaunlich fand, ist die Tatsache, dass ich manche Fische tatsächlich nur in einem bestimmten Areal gesehen habe. Standorttreue Gesellen, die allem Anschein nach wirklich nur ungern ihr vertrautes Gefilde verlassen haben.

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Erzähle uns etwas über die „Karpfen-Wohnzimmer“, wie du beliebte Aufenthaltsorte nennst. Welche Bereiche kommen in Frage, wie findest du sie?

Als Wohnzimmer bezeichne ich jetzt nicht unbedingt beliebte Aufenthaltsorte der Karpfen, sondern eher die großen Höhlen inmitten dichter Krautfelder, die oft nur durch Kanäle – also tatsächlich Tunnel ähnliche Wege – erreichbar und von außen nur schwer zu erkennen sind. Ich glaube, dass das Ruhezonen sind. Orte, an denen sie Schutz verspüren, nicht unbedingt Orte, an denen sie regelmäßig Nahrung zu sich nehmen. Wie auch. Der Boden ist in diesen Höhlen zu 99% „gefegt“. Da findet man nicht wirklich Fressbares mehr, es sei denn ein Krebs verirrt sich auf die Lichtung.

Umsäumt von dichtem Grün wiegen sie sich in Sicherheit und das auch aus gutem Grund. Gerade in den von mir befischten Gewässern ist dichtes Kraut nicht in allen Gewässerbereichen an der Tagesordnung. Und wenn man mit extrem dichtem Kraut zu tun hat, lässt man in der Regel die Finger davon. Das spüren die Fische – ähnlich wie in versunkenem Holz. Sie haben da meist ihre Ruhe, wie wir zuhause nach getaner Arbeit auf der Couch. Deswegen auch Wohnzimmer, Chillzone, Ruheplatz…

Blickt man vom Ufer aus auf dichte Krautfelder, kann man diese „Wohnzimmer“ manchmal an kleinen Lücken in der dichten Pflanzendecke erkennen, ansonsten bleibt einem nur der Weg ins kühle Nass übrig.

Was war dein krassestes Erlebnis im bzw. unter Wasser?

Mein krassestes Erlebnis war definitiv dieser eine Morgen, an dem ich den majestätischen Joe ruhend auf dem Gewässerboden sah, gaaanz langsam zu ihm herab tauchte und ihn für bestimmt drei Sekunden (die sich anfühlten wie drei Minuten) umarmte, ehe er realisierte, was da gerade passierte und zielstrebig das Weite suchte. Eine andere Story war aber auch recht witzig:

Ich war gerade auf Spotsuche, paddelte ganz langsam mit wachem Blick durch das klare Wasser, als ich plötzlich einen Fisch auf einem kiesig-sandigen Flecken sah. Er stand völlig regungslos auf dieser freien Stelle, machte keine Anstalten, zu fliehen. Ganz langsam näherte ich mich dem gut 10 Kilo schweren Fisch. Als ich gut vier Meter entfernt war, kam Bewegung in die ganze Geschichte. Er hatte mich wahrgenommen und versuchte, mir davon zu schwimmen. Jetzt, wo er sich auf ins Freiwasser machen wollte, erkannte ich den Fisch. Es war der kleine „Krüppel“, ein echt uralter Fisch, den ich bis dato nur gesehen, nie aber gefangen hatte. Die Schwanzflosse dieses Fisches ist stark verkümmert, auf einem Auge blind, die ledrige Haut übersäumt von Falten und weißen Flecken. Er hatte ein Rig in der Unterlippe hängen, inklusive Wirbel und 200 Gramm schwerem Blei. Mit seinem Manko und der Tatsache, auch ohne Bleigewicht nur sehr mühsam schwimmen zu können, war ich glücklicherweise in der Lage, den Guten einzuholen und letztendlich per Hand zu landen, um ihn von dieser Last zu befreien. Es war das erste Mal, dass ich einen Fisch in der Hand hielt, ohne ihn wirklich gefangen zu haben. Er schien mir echt dankbar gewesen zu sein, hat er in den Folgejahren doch tatsächlich regelmäßig und auf die normale, anglerische Art und Weise auf eine Streicheleinheit vorbeigeschaut.

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