Wenn die Wassertemperaturen steigen, die Fische nach der Laichzeit wieder richtig fressen und gleichzeitig extrem vorsichtig sind, kommt es auf die richtige Balance aus Attraktion und Unauffälligkeit an. Philipp Braun setzt an schwierigen, klaren Gewässern deshalb auf eine Futterstrategie, die genau diesen Spagat schafft.
Im aktuellen twelve ft. PRO Film „Der vergessene See – schwere Bedingungen in Belgien“ gibt Philipp Braun einen detaillierten Einblick in seine Angelei an einem außergewöhnlich klaren und schwierigen Gewässer. Die Karpfen sind alt, erfahren und entsprechend vorsichtig. Genau hier zeigt sich, dass nicht immer das auffälligste Futter die beste Wahl sein muss.
Gerade nach der Laichzeit kann auffälliges Futter eine starke Waffe sein. Die Fische haben einen hohen Energiebedarf und müssen ihren Körper wieder auffüllen. Doch sobald sich die erste Fressphase gelegt hat, verändert Philipp seine Herangehensweise.
Er wird unauffälliger.
Erst auffällig, dann subtil
Bei warmen Temperaturen setzt Philipp zunächst auf eine Mischung, die ordentlich Attraktion erzeugt. Seine Kombination besteht aus dunklen, fischigen Boilies, gekochtem Hanf, Fischöl und Fisch-Liquid.
Das Ziel: Die Fische sollen zum Fressen animiert werden.
Gerade bei steigenden Wassertemperaturen können öl- und flüssigkeitsbasierte Attraktoren eine interessante Wirkung entfalten. Sie verteilen sich im Wasser und sorgen dafür, dass das Futter nicht einfach nur am Gewässergrund liegt, sondern zusätzliche Signale aussendet.
Doch Philipp denkt nicht nur in einzelnen Futtergaben. Seine Strategie geht einen Schritt weiter.
Die Fische auf den Platz locken – und dort halten
Nach der Laichzeit wird das Futter dezenter. Statt möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, geht es darum, die Fische auf den Platz zu bekommen und dort möglichst lange zum Fressen zu bringen.
Dafür setzt Philipp gerne auf Futter, das im Wasser eine gewisse Lockwirkung beziehungsweise Futterwolke erzeugt. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei gekochter Hanf.
Hanf ist für Philipp gerade an schwierigen Gewässern interessant, weil die Fische damit im Grunde keine negativen Erfahrungen verbinden. Während Karpfen Boilies, Partikel oder andere Köder durchaus mit Gefahr in Verbindung bringen können, wird Hanf nur äußerst selten als Hakenköder eingesetzt.
Damit fehlt ein entscheidender Bestandteil einer möglichen Konditionierung. Hanf ist Futter – aber kein klassischer Hakenköder. Genau das macht ihn für die Futterstrategie an stark befischten Gewässern interessant.

Kleine, dunkle Boilies für alte, vorsichtige Karpfen
Neben dem Hanf spielen kleine, dunkle Boilies eine zentrale Rolle. Das Wasser des Sees in Belgien ist extrem klar. Die Karpfen sind alt und haben entsprechend viel Erfahrung gesammelt. In solchen Situationen möchte Philipp möglichst wenig Misstrauen erzeugen.
Kleine Boilies kommen der natürlichen Nahrung eines Karpfens deutlich näher als große, auffällige Köder. Gerade an schwierigen Gewässern setzt Philipp deshalb gerne auf kleine, dunkle Sinker. Die dunkle Farbe fügt sich unauffällig in die Umgebung ein, während die geringe Größe den Köder weniger verdächtig erscheinen lässt.
Das Prinzip dahinter ist simpel: Je weniger der Köder aus dem natürlichen Umfeld heraussticht, desto weniger Gründe gibt es für einen vorsichtigen Karpfen, misstrauisch zu werden.
Schluss mit Pink und Gelb
Auffällige Hakenköder haben definitiv ihre Berechtigung. Gerade im Frühjahr können pinke oder gelbe Köder eine enorme Wirkung haben und den entscheidenden visuellen Reiz setzen. Doch diese Phase lässt Philipp hinter sich.
Mit steigenden Temperaturen und nach der Laichzeit verändert sich auch seine Köderwahl. Pink und Gelb wandern zur Seite – stattdessen kommen dunklere Hakenköder zum Einsatz. Dabei beschränkt sich Philipp nicht ausschließlich auf Sinker.

Dunkle Köder am Hinged Stiff Rig
Seine dunklen Köder fischt Philipp sowohl als Sinker als auch als Pop Up am Hinged Stiff Rig. Damit bleibt die Köderpräsentation flexibel, ohne die grundlegende Philosophie zu verändern: Der Köder soll möglichst unauffällig wirken und sich harmonisch in das Umfeld einfügen.
Gerade beim Hinged Stiff Rig kann ein dunkler Pop Up eine interessante Alternative sein, wenn man bewusst auf einen auffälligen Farbreiz verzichten möchte.
Ein kleiner Farbklecks darf trotzdem sein
Komplett auf Farbe verzichten muss man allerdings nicht. Wenn Philipp seiner Präsentation einen kleinen visuellen Akzent geben möchte, greift er im klaren Wasser gerne zu weißen beziehungsweise leicht cremigen, matten Farben.
Entscheidend ist dabei die Kombination aus Farbe und Oberfläche. Kein grelles Weiß, kein knalliger Kontrast – stattdessen ein dezenter, matter Farbton, der sich in der klaren Umgebung nicht zu aggressiv präsentiert. Auch beim Flavour bleibt Philipp zurückhaltend. Der Duft soll den Köder unterstützen, ohne dabei ein zusätzliches Warnsignal für die Fische zu erzeugen. Unauffällig statt maximal auffällig lautet die Devise.
Attraktion entsteht nicht nur durch Farbe
Philipps Herangehensweise zeigt sehr gut, dass Attraktion beim Karpfenangeln nicht zwangsläufig mit einem knalligen Hakenköder gleichgesetzt werden muss. Die Attraktion kann über das Futter entstehen: über Hanf, Fischöl, Liquid und die verschiedenen Signale, die sich im Wasser verteilen. Der Hakenköder darf sich dagegen zurücknehmen. Gerade an klaren Gewässern mit alten und erfahrenen Fischen kann diese Trennung zwischen attraktivem Futter und unauffälliger Präsentation entscheidend sein.
Der Platz soll interessant sein – der Hakenköder dagegen möglichst wenig Fragen aufwerfen.

Die Strategie hinter der Strategie
Was Philipp in Belgien zeigt, ist deshalb weit mehr als eine einfache Futterkombination. Es geht darum, das Verhalten der Fische zu verstehen und die eigene Taktik daran anzupassen. Nach der Laichzeit zunächst mit attraktivem Futter für ordentlich Appetit sorgen. Anschließend die Attraktion subtiler gestalten, die Fische mit natürlichen Komponenten wie Hanf auf dem Platz halten und gleichzeitig mit kleinen, dunklen Ködern eine möglichst unauffällige Falle präsentieren.
Locken, fressen lassen, Vertrauen schaffen. Gerade an Gewässern, an denen die Karpfen schon unzählige Köder gesehen haben, kann weniger manchmal tatsächlich mehr sein.

„Der vergessene See“ – jetzt auf twelve ft. PRO
Wie Philipp Braun diese Strategie in der Praxis umsetzt, welche Plätze er auswählt, wie er seine Rigs präsentiert und mit welchen Herausforderungen er an dem schwierigen belgischen Gewässer zu kämpfen hat, seht ihr im aktuellen twelve ft. PRO Film. „Der vergessene See – schwere Bedingungen in Belgien“ mit Philipp Braun zeigt seine komplette Herangehensweise an ein Gewässer, an dem Erfahrung, Beobachtung und eine durchdachte Futterstrategie den Unterschied machen.

Ein Film für alle, die verstehen wollen, wie man an klaren, schwierigen Gewässern erfolgreich auf alte und vorsichtige Karpfen angelt.