In den letzten Herbstwochen hat Lennart Hildebrand nochmal ordentlich abräumen können und eine Session erlebt, die ihn sehr geprägt hat – und seine Angelei nachhaltig verändern wird. Was es damit auf sich hat, erzählt Lennart am besten direkt selbst. Los geht´s.

Ohne Aktion bei schlechten Bedingungen

Wie jedes Wochenende fuhr ich gemeinsam mit meinem Angelbuddy ans Wasser. Die Euphorie hielt sich dieses Mal allerdings etwas in Grenzen, denn die Wettervorhersage für den Zeitraum unserer Session war mehr als bescheiden. Ständig wechselnde Windrichtungen, sinkende Temperaturen, Dauerregen und ein massiv steigender Luftdruck sollten uns erwarten. Erstmal abwarten und einfach machen, dachten wir uns. Dass der Wetterbericht allerdings recht behalten sollte, merkten wir in den nächsten Stunden recht deutlich. Es regnete sich richtig ein, die Temperatur fiel und das Barometer zeigte nun auch Werte jenseits der 1030 hpa.

Völlig unbeeindruckt von den widrigen Bedingungen flog Montage für Montage auf die altbewährten Spots. Aufgrund des hohen Luftdrucks entschied ich mich dazu, nur wenig Futter in Form von halbierten und ein paar wenigen ganzen Murmeln einzubringen. Was soll ich sagen? Es lief genau so, wie wir es uns schon in den dunkelsten Träumen ausgemalt hatten. Die Ruten lagen blank! Die Zeit raste nur so von der Uhr und so langsam war das Ende der Session schon in Sicht. „Sicht“ soll an dieser Stelle eine passende Überleitung zu der eigentlichen Story sein.

twelvefeetmag catch report lennart hildebrand 5 -  - Karpfenangeln im Herbst, Karpfenangeln Herbst, Herbstangeln

Ein neuer Plan muss her

Ich musste etwas unternehmen und so entschied ich mich dazu, die kurzen Regenpausen zu nutzen und meinen Blick über den See schweifen zu lassen. Ich spitzte alle Sinne, um mögliche Fischaktivitäten auszumachen. Es verging schon eine ganze Weile bis ich endlich einen richtig guten Fisch rollen sah, völlig ohne akustisches Feedback. Kein platschen, kein Krachen, nichts! Nur ein massiver Rücken, der die Wasseroberfläche brach und somit meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Den Worten Taten folgen lassen

Ich holte sofort meine Rute ein, schnappte mir mein geliebtes Ronnie-Rig, das ich in weiser Voraussicht schon mit einem kleinem gelben Tweety Pop-Up von Brocke Baits bestückt hatte und warf den Fisch sofort an. Ein Spiel mit den Nerven, denn ich wusste, „der muss jetzt beim ersten Wurf perfekt kommen, sonst war’s das!“. Ein Wurf genau ins Schwarze, einfach perfekt auf den Spot, wo sich dieser bullige Fisch zeigte.

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Kleine Details, großer Unterschied

Ich entschied mich ganz bewusst gegen den Eintrag von Futter auf diesen Spot, um ersten keine weitere Unruhe zu machen und zweitens die Aufmerksamkeit der Fische nicht von meinem Pop-Up zu lenken. Die Schnur straffte ich nicht durch. Ich wollte möglichst unauffällig bleiben und die Schnur möglichst schlaff in Richtung Rig laufen lassen. Also war Slackline fischen das Mittel der Wahl.

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“

Was soll ich sagen? Wäre der ganze Plan nicht aufgegangen, hätte ich nicht davon berichtet. Es dauerte circa eine halbe Stunde bis mich meine Funke anschrie und der Fisch brutalst Schnur von der Rolle nahm. Ein wahnsinnig aufregender Drill begann, der Fisch stand knüppelhart in der Rute und ich wusste, „das ist ein richtiges Brett“. Wie es sich für so einen Fisch gehört, setzte er sich natürlich kurz vorm Ufer im Unterwasserdschungel fest und verlangte meinem Gerät und vor allem meinen Nerven alles ab. Wie viel Last von meinen Schultern fiel, als wir diesen Fettner eingenetzt hatten, muss ich sicher nicht erläutern.

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Eine Matte voll Karpfen

Was für eine Bombe. 23,6 Kilo, mein neuer Personal Best! Ich hätte diesen Fisch niemals gefangen, wäre ich nicht aktiv geworden und hätte alle meine Sinne angestrengt. Nur am Wasser sitzen und hören, ob es mal platscht, reicht eben nicht immer aus. Ich hätte dieses Zeichen von Fischaktivität niemals bemerkt, hätte ich nur meine Ohren benutzt.

Hab Mut und werde aktiv

Vielleicht kannst du dir ja was aus meiner kleinen Story mitnehmen. Probier Augen und Ohren offen zu halten und nutze die Signale, die dir die Fische geben. Ein springender Fisch ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Also hab Mut, deine Ruten mal von deinen Futterplätzen runter zu nehmen und aktive Fische anzuwerfen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen Anregung und Inspiration geben und danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, mein Niedergeschriebenes durchzulesen. Ich wünsch dir viel Erfolg am Wasser, bleib sauber und wenn du Fragen an mich hast, lass es mich sehr gerne wissen.

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