Da ich aus einer – was das Karpfenangeln betrifft – toten Ecke Deutschlands komme, habe ich mich Anfang des Jahres gemeinsam mit einem Leidensgenossen dazu entschieden, größere Distanzen zum Fischen auf mich zu nehmen. Dabei entwickelte sich unser Frühjahr so, dass wir ein absolut traumhaftes Gewässer fanden und uns dort auf Anhieb wohlfühlten.

Wir saßen gemeinsam die ersten fünf Nächte komplett blank. Aua. Wie wir am Ende unserer dennoch tollen Session erfuhren, war es nichts außergewöhnliches, an diesem Gewässer erstmal ohne Fisch zu sitzen. „Dranbleiben“ wurde uns geraten. Der Knoten wird dann irgendwann platzen. Die nächsten zwei Trips an den See startete ich allein, weil mein Freund Marek durch Schule und Arbeit stark eingebunden war.

twelvefeetmag fangbericht justus schaefer 4 -  - Karpfenangeln im Frühling

Endlich Fischkonkakt

Der erste weitere Ansitz war wieder eine lupenreine Nullnummer. Ein Wochenende ohne einzigen Piepser. Zwei Wochen später nahm ich die Fahrt wieder auf mich und hatte ein überragendes Gefühl. Ich platzierte zwei Snowmans aus The Krill und Signature Squid Pop-Ups und verteilte großflächig The Krill Boilies. Es muss gegen 23 Uhr gewesen sein, als in der ersten Nacht eine Rute voll ablief. Ich war aufgeregt bis in die Haarspitzen. Ich pumpte ein ordentliches Gewicht heran, bis ich feststellte, dass meine Schnur in irgendeinem Hindernis zwischen mir und dem Fisch klemmte. Ich versuchte wirklich alles. Lief nach links, lief nach rechts, lies die Schnur locker und probierte es zu guter letzt mit Gewalt. In diesem Falle war Gewalt wohl nicht die richtige Lösung und so riss die Schnurr. Ich war völlig fassungslos. Ich knüpfte mir schnell ein Blei und einen Haken an die Schnur und versuchte irgendwie, den Abriss wieder einzufangen – ohne Erfolg.

In der zweiten Nacht war es wieder etwa 23 Uhr, als die selbe Rute wieder ablief und ich nach kurzem Drill einen Waller vor mir sah. Oh je, das war nun wirklich nicht mein Zielfisch und ich hoffte darauf, nur eine Ausnahme erwischt zu haben. 24 Stunden später lief dann in der 3. Nacht der Session wieder ein Waller ab, dieses Mal so groß, dass ich ihn nicht mehr einfach im Nacken fassen konnte. Nun ja, wenigstens hatte ich jetzt in den insgesamt mittlerweile zehn Nächten an dem See endlich mal Fischkontakt – auch wenn es nur Schleimer waren.

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„Bitte kein Waller, bitte kein Waller!“

Wieder zwei Wochen später stand die nächste Tour an dieses tolle Gewässer ins Haus. Eine Nacht allein und dann wollte Marek noch für eine schnell Nacht dazu stoßen. Ich suchte mir zwei Spots, die mir taugten und fütterte jeweils großflächig The Krill. Als Hakenköder setzte ich auf Krill Tuff-Ones getoppt von Signature Squid Pop-Ups. Das brachte mir in den vergangenen Wochen einige tolle Fische in anderen Gewässern, wodurch ich großes Vertrauen in diese Kombination bekam. Was dann folgte war Ruhe…

Ich legte mich gegen 22 Uhr auf meine Liege und schlief wie ein Stein ohne Piepser bis morgens um 6 Uhr durch. Als ich dann meine Augen aufschlug, konnte ich einen traumhaften Sonnenaufgang bestaunen. Ich genoss, während ich noch etwas vor mich hindöste, die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht und akzeptierte, dass die elfte Nacht an diesem offensichtlich eigenwilligen Gewässer, vorüber war. Dann riss mich ein jäher Dauerton aus meinen Carpsoundern aus meiner Trance. Bäääm! Ich war sofort auf 100%. Rein in die Wathose, ab ins Wasser, die Rute aufgenommen und Kontakt zum Fisch gefunden. Ich konnte ihn relativ schnell bremsen und in meine Richtung lenken. Ich betete „bitte kein Waller, bitte kein Waller“ und als der Fisch dann noch etwa 10 m vom Ufer entfernt war, zeigte sich ein mächtiger Nacken und eine eindeutig zum Karpfen gehörende Rückenflosse. Dann ging der Tanz erst richtig los. Der Fisch legte eine heftige Flucht nach der anderen hin und ich wusste, das ist schonmal kein Zwerg. Es folgten nervenaufreibende Minuten des Drills.

Als ich den Fisch dann endlich im Kescher hatte, war ich überwältigt. Elf Nächte ohne Zielfisch und dann direkt so ein fettes Teil. Nachdem ich den Fisch gewogen hatte und das Ergebnis 18 Kilo war, konnte ich im ersten, angenehm warmen Licht des Tages, diesen tollen, alten Fisch ablichten. Ich war einfach nur glücklich.

twelvefeetmag fangbericht justus schaefer 3 -  - Karpfenangeln im Frühling

Am Mittag kam dann Marek dazu und als seine Ruten gelegt waren, machten wir es uns gesellig und hatten eine echt gute Zeit. Wir fachsimpelten darüber, was uns noch für besondere Überraschungen dort erwarten könnten und waren voller Energie und Zuversicht. Als es dann Abend wurde und wir uns entschieden, schlafen zu gehen und einen Biss zu provozieren, war die Hoffnung auf einen weiteren Fang riesig.

Es war ziemlich genau 12 Uhr Nachts, als es wieder mein Carpsounder war, der mich aus dem Schlaf riss. Dauerton, Rute krumm und die Bremse am Surren. Ich brauchte einen Moment, bis ich an der Rute ankam und im Schein der Kopflampe sah, wie mein Swinger gerade durchsackte. Kein gutes Zeichen und so kam die Bestätigung schnell: der Fisch war weg. Kurz durchatmen, alles überprüfen und das Eisen wieder ins Feuer bringen. Ich fütterte noch einige Krills nach und legte mich wieder auf meine Liege. Als ich wieder aufwachte, war es hell und die Sonne schien mir erneut ins Gesicht. Es war so gar nicht carpy. Der See lag vor mir wie ein Ententeich und es ging kein Lüftchen. Nun ja, erstmal in den Tag starten und schauen, was der Vormittag so bringt.

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Der Knoten ist geplatzt

Wir freuten uns auf den Besuch unseres Freundes Willi, der sich mit Kaffee und Frühstück angekündigt hatte. So saßen wir dann zu dritt dort und frühstückten köstlich, als völlig unerwartet wieder meine Falle zuschnappte. Es war ein relativ kurzer Drill, da der Fisch es mir wirklich leicht machte. Dennoch hatte ich richtig weiche Knie. Ich merkte, da hing Gewicht dran. Als Marek den Fisch abkescherte und wir drei in den Maschen ein richtig wuchtiges Tier sahen, gingen die klassischen Schätzungen los. Ich meinte über 20 Kilo, Marek 21,5 und Willi sagte „Jungs, der hat 25“. Puh, das war krass und ich war ganz zittrig. Die Jungs wogen den Fisch, während ich mich umdrehte. Ich hatte natürlich die Ohren gespitzt und hörte, wie sie ungläubig tuschelten. Dann kam der Moment der Wahrheit und ich konnte es nicht glauben. Über 27 Kilo sagte Willi. Das konnte nicht sein, dachte ich mir und hob selbst nochmal – und tatsächlich 27,4 Kilo. Neuer PB! Traumhafter Fisch, absolut makellos, kein bisschen verangelt und dazu halt riesig groß. Was dann folgte, waren unvergessliche Augenblicke. Wir freuten uns gemeinsam. über diesen Wahnsinns Spiegler und natürlich bekam ich meine PB Taufe. Marek machte einen tollen Job an der Kamera, während wir ein paar Erinnerungen an diesen Okolythen festhielten.

twelvefeetmag fangbericht justus schaefer 5 -  - Karpfenangeln im Frühling

Ich konnte den Rest des Tages an nichts anderes mehr denken und war so unglaublich glücklich. Der Knoten war geplatzt – und zwar mit einem richtig lauten Knall! Ich bedanke mich bei meinen Freunden für die tollen Augenblicke.

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