Lange war es ruhig um mich, doch untätig war ich in der Zwischenzeit nicht. Das ein oder andere Mal konnte man mich am Wasser treffen.

Da die Gewässer, die ich zur Zeit häufig befische, mir in der letzten Zeit zu sehr überlaufen waren, machte mir das Angeln dort kaum noch Spass. Es wurde dort keine Rücksicht mehr auf andere Angler genommen,  jeder denkt nur an sich selbst und der Frieden, der damals zwischen den Anglern herrschte, zerbricht mehr und mehr. Da vergeht mir der Spass an der eigenen Angelei.

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Große Futtermengen werden eingebracht, obwohl andere Angler in der Nähe fischen. Trotz der Erkenntnis, dass dort große Futtermengen einen negativen Einfluss auf die Fangergebnisse aller haben. Je mehr Futter eingebracht wird, desto schlechter werden die Fänge. Das ist ein bekanntes Profil. Seid Anfang des Jahres versuchte ich das ständige Gefüttere zu ignorieren. Ständig flogen rechts und links große Futtermengen in den See, was mir zunehmend die Lust nahm, dort weitere Zeit zu investieren. Ich entschloss mich also an ein längst vergessenes Gewässer zu wechseln. Dort, wo ich das Angeln erlernt und in den Kinderschuhen ausgeübt hatte.

Ich fischte schon einige Jahre nicht mehr an diesem Wasser, da es zunehmend uninteressant geworden war. Man will ja auch schließlich mal andere Gewässer kennenlernen und befischen, daher kehrte ich dem Gewässer damals den Rücken. Ich wollte damals dort angeln, wo man nicht direkt immer weiß, dass mindestens ein Fisch gehen würde. Mit der Zeit schrumpfte der Fischbestand dort. Bedingt durch aktiven Fischklau und ein großes Fischsterben reduzierte sich die Anzahl der Fische.

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Aus dem Grund konnte ich heute nicht viel erwarten. Sowohl das Gewicht als auch der Gesamtbestand war reduziert, sodass Blanksessions keine Seltenheit sein sollten. Ich entschloss mich dennoch für einige Nächte anzugreifen.

Ich suchte die Ungestörtheit, weshalb ich auf Fischgewicht mehr und mehr verzichten konnte und meinen Fokus auf Anderes legte. Es ist doch schon erschreckend wie sich die Karpfenszene mit den Jahren geändert hat und ein Großteil der Angler es nur auf die Großen in einem Gewässer abgesehen hat. Für mich zählt nach wie vor jeder Fisch, egal welche Größe er hat. Dazu gehört es auch, das eine oder andere Mal ohne Fang nach Hause zu fahren. Das wiederum spornt mich für die nächste Session an. Mir ist die Erholung und der Ausgleich wichtig, das bekomme ich mit aber auch ohne Fisch.

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Für viele Karpfenangler ist das leider andersherum. Ihre Passion ist ein einziger Konkurrenzkampf, so jedenfalls habe ich den Anschein. Für mich gibt es nicht Besseres als mit anderen gemeinsam zu fischen, am Wasser zu hocken und zu klönen. Das ganze Drumherum genieße ich gern bei gutem Essen und einer kalten Flasche Bier. Kostbare Stunden, die im Zeitalter sozialer Medien immer seltener werden.

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Die erste Session auf vergessenen Pfaden

Um die Session optimal vorzubereiten, fuhr ich einige Male zum Gewässer um zu beobachten und ein Gefühl für das Wasser zu bekommen. Da das Regelwerk hier das Vorfüttern untersagt, musste man die Fische sehr genau lokalisieren. Kein leichtes Unterfangen, sieht man an diesem Gewässer eher selten Fische springen oder rollen. Ich kannte das Gewässer aus mehr als 10 Jahren intensiven Fischens, sodass mit die Spots gut bekannt waren. Ich entschied mich schlussendlich für einen Platz, den ich all die Jahre zuvor auch immer mal wieder befischt hatte. Der Spot produzierte immer wieder sehr gute Fische. Ich fischte an Kanten und direkt im Totholz.

Schnell waren zwei Ruten an die vermeidlich guten Plätze geworfen. Genau diese Plätze hatten in der Zeit, in der ich zuvor hier fischte, immer wieder Fische gebracht. Die dritte Rute platzierte ich jedoch einfach blind im Freiwasser, direkt an einer steil ansteigenden Kante, wo in den vergangenen Jahren nicht sonderlich viele Fische einstiegen. Dieses mal war alles anders. Nur die Rute im Freiwasser zündete in der ersten Nacht. Die anderen beiden Ruten blieben ruhig, brachten nur eine Brasse. Am nächsten Morgen entschloss ich mich dazu, alle drei Ruten im Freiwasser zu fischen.

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Schnell lagen die Ruten. Ich stickte mit dem Wurfrohr großflächig einige NG Squid Boilies aus dem Hause Proline drumherum. Als Hakenköder fischte ich einen Schneemänner und auffällige Pop Ups, die die Fische visuell reizen sollten.

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Kaum lag etwas Futter drum herum, kamen auch schon die Bisse. Die hohe Aktivität bestätigte mich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Auf allen drei Ruten hatte ich Aktionen. Sogar Doppelläufe waren an der Tagsordnung. Ich fing in den beiden Nächten insgesamt 22 Fische. Teilweise ging es Schlag auf Schlag sodass ich den Großteil der Fische im Wasser abhakte. Dies ist für den Fisch wesentlich schonender und stressfreier und für mich selbst auch. Es waren alle Größen vertreten. Vom Satzkarpfen bis hin zum Beauty und sogar ein paar Fische aus dem Altbestand waren dabei, die wohl auf waren.

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Platt aber glücklich!

Ziemlich platt machte ich mir am nächsten Morgen noch einen Kaffee und packte meine Sachen zusammen. Ich freute mich auf die heimische Couch. Mit so einer Session habe ich an diesem Gewässer nicht gerechnet. Aber hier zahlt sich wieder gutes Futter und die Gewässerkenntnis aus, die ich die Jahre über gesammelt hatte. Auch das Gespür nicht gierig zu werden und das Futter mit Sinn und Verstand einzusetzen, war, so denke ich, der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man Futter mit Sinn und Verstand einsetzt und nicht gleich kiloweise nachlegt, hält man die Fische auf dem Platz, sie sind mit der Futtersuche beschäftigt und stoßen wesentlich schneller auf den Hakenköder, als wenn dort kiloweise Boilies liegen.

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Jetzt habe ich wieder neue Motivation gefasst, um mich wieder den schwierigeren Gewässern zu widmen. Aber ich werde sicherlich noch das ein oder andere Wochenende den alten Weg einschlagen, da bin ich mir sicher..

Also Leute, nehmt auch mal Rücksicht auf andere Angler und genießt doch vielleicht mal gemeinsam die wenige kostbare Zeit am Wasser und gönnt euch gegenseitig den Erfolg. Denn der stressige Alltag holt euch zu schnell wieder ein, als es euch lieb sein wird.

Cheers, euer Marcel Geritzen

Über den Autor Marcel Geritzen

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